Luxus Tourismus und Nachhaltigkeit: Ein Widerspruch?

Eine kontroverse Diskussion zwischen Greenwashing und sozialer Verantwortung.

Freitag 7. März, ITB 2014

Nachhaltigkeit. Dieser Begriff hat sich in den letzten Jahren rasant ausgebreitet und ist zu einem der Schlagworte überhaupt im Marketing geworden. Bio und Fairtrade liegen im Trend, und der macht natürlich auch vor der Reisebranche nicht halt.

Doch nicht nur Ökotourismus ist aktuell angesagt, auch das Segment der Luxusreisen wächst seit mehreren Jahren stetig. Für fast die Hälfte aller Deutschen sind exklusive Reisen sogar das wichtigste Luxusprodukt, noch vor Haus, Auto und Pferd. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um Komfort und viele Sterne. Die Stichwörter sind hier vielmehr authentisch, einzigartig und einmalig.

Lässt sich Luxusurlaub überhaupt mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit vereinbaren? Wo liegen die Chancen - und wo die Konfliktfelder?

Diese Veranstaltung brachte Diskutanten zusammen: Anbieter und engagierte Blogger. Mit insgesamt
50 Teilnehmern war das Interesse hoch.

Fazit:

Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Marketingaspekt. Es ist vielmehr eine essentielle Voraussetzung für die Zukunft unserer Welt. Dem Tourismus kommt eine besondere Bedeutung zu, da er die Menschen verbindet. Im Luxussegment ist das größte Potenzial zur Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit, da die größeren Budgets auch kostenintensivere Maßnahmen erlauben.

Die Kunden:

Trotz eines zunehmenden Bewusstseins (Postmaterialisten, LOVOs, …) spielen bei der Kaufentscheidung für eine Luxusreise die sozialen, ökologischen und ökonomischen Hintergründe kaum eine Rolle. In erster Linie wird das besondere Erlebnis gesucht. Ist der Gast dann erst einmal vor Ort – und stimmen die Leistungen – kann das Interesse für nachhaltige Engagements geweckt werden.

Wenngleich heute noch nicht kaufentscheidend sondern nur „das Tüpfelchen auf dem i", ist bei europäischen Kunden eine wachsende Sensibilität spürbar. Die neuen Kunden im Luxusbereich aus Asien und Russland haben hier noch kein Bewusstsein. Hier könnte den europäischen Kunden langfristig eine Vorbildfunktion zukommen.

Die Anbieter:

Soziales und ökologisches Engagement ist häufig mit hohen Einstiegskosten verbunden. Rein kaufmännisch orientierte Anbieter sehen häufig nicht die langfristigen Profitpotenziale einer nachhaltigen Unternehmensstrategie im Tourismus. Heute stehen meistens idealistische Motive oder einfach unternehmerische Verantwortung kleiner Anbieter im Vordergrund.

Doch auch hier ist ein erstes Umdenken spürbar. Eine besondere Rolle wird die Kommunikation spielen. Um sich vom „Greenwashing" abzugrenzen, müssen die engagierten Anbieter selbst für Transparenz sorgen.

Dazu gehört dann auch, dass man seinem Luxuskunden erklärt, warum es lokale Produkte bei den Mahlzeiten gibt, und nicht den internationalen Standard. Dieses kann jedoch gerade als Vorteil vermittelt werden, denn damit wird ein besonderes Erlebnis geschaffen, und dies ist ja gerade der Wunsch des Luxuskunden: Es sind die besonderen Geschichten.

Auch in Luxusbereich sind Kunden preissensibel. Da nachhaltig orientierte Buchungsoptionen (z.B. CO² kompensierende Maßnahmen) abgewählt werden, müssten verantwortungsvolle Anbieter diese eigentlich obligatorisch in ihre Pakete einbauen – tragen dann aber das Risiko, Kunden aufgrund der höheren Preise an Wettbewerber zu verlieren. In diesem Konflikt kann Transparenz gegenüber dem Kunden helfen – allerdings nur, wenn dieser offen für die Argumente ist.

Die Politik:

Dass die Politik in der Diskussionsrunde kaum zur Sprache kam zeigt deutlich, dass hier wenig Positives erwartet wird. Die Politik kann Rahmenbedingungen setzen. Da Tourismus aber ein internationales Thema ist, wäre eine einheitliche Linie auf internationalem Niveau notwendig… eine Illusion.

Vielen Dank für die rege Teilnahme und das Engagement der Diskutanten!

#ökolux14

Vanessa Pur

"Luxus und Nachhaltigkeit gehören einfach zusammen, wer heute nicht an den nächsten Tag denkt, wird sich in Zukunft über Luxusreisen keine Gedanken mehr machen müssen. An erster Stelle sollte, egal an welche Destination, die Nachhaltigkeit stehen, dann kann man über Luxus reden! Hotels die kein Umweltprogramm anbieten, kommen für uns nicht in Frage."

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Karolin Troubetzkoy

"Luxus Tourismus und Nachhaltigkeit schließen sich im Anse Chastanet und Jade Mountain nicht aus. Ich engagiere mich seit Beginn meiner Karriere in der lokalen Kunstszene, in Jugendarbeit und Seniorenprogrammen und unterstütze das Projekt "Adopt a Farmer". Mit Leidenschaft  fördere ich das Konzept eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils, das sich in Form von regionaler, frischer und kreativer Küche sowie der Philosophie der Spas in meinen eigenen Hotels wiederfindet."

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Doris Neubauer

"Wer von Nachhaltigkeit im Tourismus spricht, denkt oft nur an eine Seite - nämlich die Ökologische. Doch die anderen beiden Säulen der sozialen und ökonomischen Verantwortung gehören genauso dazu. Meiner Meinung ist es für Anbieter wie Touristen Pflicht, sich den Luxus der umfassenden Nachhaltigkeit zu leisten."

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Susi Maier

"Für mich geht der Trend hin zum Flashpacking. Backpacking wird erwachsener. Viele wollen nach wie vor individuell reisen, Abenteuer erleben und in die lokale Kultur eintauchen - aber mit etwas mehr Stil und Komfort. Ich wünsche mir, dass dies auch mit einem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen einhergeht."

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Madlen Brückner

"Ob Luxus-, Individual- oder Massentourismus – für den gesamten Tourismussektor ist es an der Zeit, Verantwortung für die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. Doch letztendlich beginnt dies auch bei jedem Touristen selbst."

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Elisabeth Leitner-Rauchdobler

"Nachhaltiger Tourismus ist gleichzeitig der beste Schutz von natürlichen Ressourcen – er verbindet Naturschutz mit Traditionspflege, schafft Arbeitsplätze vor Ort und fördert den interkulturellen Dialog zwischen Besuchern und Einheimischen. Der Respekt, die Anerkennung und die Partizipation der lokalen Andenbevölkerung stärken die kulturelle Identität und öffnen aus meiner Sicht die Chance zu einer selbstbestimmten Entwicklung."

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Moderation: Karen Wittel

Karen Stephan, Geschäftsführerin atambo tours

Als Tochter von Entwicklungshelfern kennt Frau Wittel die besonderen sozialen und ökologischen Herausforderungen der Destinationen. Heute ist sie Spezialveranstalter im hochwertigen Segment. Reisen mit Verantwortung: Tourcert CSR zertifiziert, engagiert in zahlreichen sozialen Projekten, Mitglied im Forum anders Reisen.

Frau Wittel initiierte diese Diskussion aus Leidenschaft. 

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